Thema Zahngesundheit beim Hund: Ein abgebrochener Zahn ist keine Kleinigkeit!
Zahngesundheit beim Hund wird leicht unterschätzt. Solange der Hund frisst, spielt und keine offensichtlichen Schmerzen zeigt, scheint zunächst alles in Ordnung zu sein.
Ehrlicherweise gehörte auch bei uns das tägliche Zähneputzen lange nicht so konsequent zur Routine, wie es eigentlich sollte.
Ein Zahnunfall bei Anela hat meinen Blick darauf allerdings ziemlich verändert.
Plötzlich war ein Stück von Anelas Eckzahn weg
Bei Anela war am rechten oberen Eckzahn nach einer Trainingseinheit plötzlich ein Stück abgesplittert.
Natürlich schaut man sich das erst einmal an und denkt: Wie schlimm kann so ein kleines abgebrochenes Stück schon sein?

Aber genau das wollte ich nicht einfach auf die leichte Schulter nehmen. Vor allem war für mich klar: Wenn irgendwie möglich, möchte ich diesen Zahn erhalten.
Ein Schäferhund ohne Eckzahn? Nein, das konnte ich mir nicht vorstellen. Für mich war klar: Wenn es eine Chance gibt, den Zahn zu retten, dann nutzen wir sie.“
Denn von außen lässt sich nicht unbedingt erkennen, wie tief eine Zahnfraktur tatsächlich reicht. Ist nur oberflächlich Zahnsubstanz betroffen? Liegt Dentin frei? Oder reicht die Fraktur bis zur Pulpa, also zu dem Bereich im Inneren des Zahns, in dem sich unter anderem Nerven und Blutgefäße befinden?
Hinzu kommt: Ein Hund muss Zahnschmerzen nicht deutlich zeigen. Auch Hunde mit einem geschädigten Zahn können weiter fressen und sich zunächst völlig normal verhalten.
Also ging es für uns zunächst zu unserer Tierärztin.
Ist der Nerv betroffen oder nicht?
Unsere Tierärztin schaute sich Anelas Zahn an, konnte jedoch nicht sicher beurteilen, ob die Pulpa eröffnet war. Genau das ist auch im späteren Bericht der Zahnspezialistin dokumentiert.
Damit stand plötzlich auch das Thema Wurzelkanalbehandlung im Raum.
Denn wäre die Pulpa eröffnet gewesen, wäre eine Wurzelkanalbehandlung eine mögliche Option gewesen, um den betroffenen Zahn zu erhalten. Eine andere Behandlungsmöglichkeit bei entsprechenden Frakturen ist die Extraktion des Zahns.
Unsere Tier-OP-Versicherung hätte eine notwendige Wurzelkanalbehandlung oder Extraktion übernommen. Trotzdem ging es mir in diesem Moment weniger um die Kosten als um die Frage: Können wir diesen wichtigen Eckzahn retten?
Sechs Wochen auf die erste Begutachtung warten?
Ich rief daraufhin bei einer Tierklinik mit spezialisierten Tierzahnärzten an und erklärte ausdrücklich, dass Anelas Eckzahn frisch abgebrochen war, noch nicht feststand, ob die Pulpa betroffen war und dass mir der Erhalt des Zahnes sehr wichtig ist. Umso überraschter war ich, als mir für die reine Begutachtung ein Termin erst sechs Wochen später angeboten wurde.
Das konnte und wollte ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Gerade bei einem frisch frakturierten Zahn hätte ich erwartet, bereits am Telefon darauf hingewiesen zu werden, dass eine zeitnahe Beurteilung sinnvoll ist. Denn solange niemand den Zahn fachgerecht untersucht und gegebenenfalls dental geröntgt hat, weiß man schließlich nicht, ob es sich um eine unkomplizierte Fraktur handelt oder ob die Pulpa eröffnet wurde.
Und genau hier kann Zeit eine Rolle spielen: Ist die Pulpa tatsächlich eröffnet, können Bakterien eindringen, die Pulpa kann sich entzünden beziehungsweise absterben und es kann sich eine Infektion entwickeln. Bei einer direkten Pulpaeröffnung ist deshalb eine Wurzelbehandlung oder eine Extraktion erforderlich.
Bei bestimmten zahnerhaltenden Verfahren wie der Vitalpulpatherapie ist das Zeitfenster sogar besonders relevant. Fachquellen beschreiben diese Behandlung bei einer frischen Pulpaeröffnung als zeitkritisch und empfehlen eine möglichst schnelle Versorgung.
Also habe ich keine Ruhe gegeben und weitergesucht. Den ich wollte einfach möglichst schnell eine fachkundige Einschätzung, damit wir die Chance auf Zahnerhalt nicht durch unnötiges Abwarten verschlechtern. Was ein Glück, denn ich bin danach bei einer der besten Zahntierärztinnen gelandet!
Der Weg zur Tierzahnspezialistin in Hanau
In Hanau fand ich dann ebenfalls eine auf Tierzahnheilkunde spezialisierte Tierärztin. Dort bekam ich bereits für den nächsten Tag einen Untersuchungstermin.

Endlich hatten wir Klarheit:
Anelas oberer rechter Eckzahn, der Zahn 104, hatte eine unkomplizierte Kronenfraktur. Die Pulpa war also glücklicherweise nicht eröffnet.
Das war für mich zunächst eine riesige Erleichterung.
Mein Tipp: Bei Zahnverletzungen gezielt nach Tierzahnmedizin suchen
Aus unserer Erfahrung habe ich gelernt, dass es sich bei Zahnverletzungen lohnen kann, gezielt nach einer Tierärztin oder einem Tierarzt mit entsprechender zahnmedizinischer Qualifikation zu suchen.
Eine gute Anlaufstelle in Deutschland ist die Deutsche Gesellschaft für Tierzahnheilkunde (DGT). Sie bietet eine Tierzahnärztesuche für Deutschland an.
Nach Angaben der DGT werden dort Tierärztinnen und Tierärzte gelistet, die Mitglied der DGT sind, sich intensiv mit Tierzahnheilkunde beschäftigen und eine entsprechende Fort- und Weiterbildung nachgewiesen haben. Die gelisteten DGT-Tierzahnärzte verpflichten sich außerdem zur Einhaltung festgelegter Qualitätsstandards hinsichtlich Praxisausstattung, Diagnostik, Therapie und Dokumentation.
Die DGT nennt übrigens ausdrücklich abgebrochene oder verfärbte Zähne, Zahnstein, gerötetes oder blutendes Zahnfleisch und verändertes Fressverhalten als Gründe, bei denen ein Tierzahnarzt aufgesucht werden sollte.
Eine Woche später wurde Anela behandelt
Eine Woche nach der Untersuchung fand Anelas Zahnbehandlung statt.
Vor und nach der Behandlung wurden dentale Röntgenbilder angefertigt. Dabei wurde neben der Fraktur des Eckzahns 104 noch eine weitere unkomplizierte Kronenfraktur am Zahn 309 festgestellt.

Beide betroffenen Zähne wurden geglättet und anschließend mit Bonding versiegelt.
Und wenn Anela schon einmal für eine Zahnbehandlung in Narkose lag, sollte natürlich auch der Rest vernünftig gemacht werden: Ihre Zähne wurden professionell gereinigt und anschließend poliert.
Denn bei der Untersuchung war noch etwas aufgefallen: Anela hatte ebenfalls auch Zahnstein im Laufe der Zeit Entwickelt. insbesondere an den Zähnen 108 und 208.
Daher musste ich mir jetzt eingestehen: An der regelmäßigen Zahnpflege müssen wir arbeiten.
Anela hat die Narkose sehr gut verarbeitet und Ihr ging es bereits am Nachmittag schon sehr gut.
Das Wichtigste: Der Eckzahn konnte erhalten werden
Das Ergebnis der Behandlung ist wirklich sehr schön geworden.
Anelas Eckzahn konnte erhalten werden. Er wurde geglättet und versiegelt, der weitere betroffene Zahn gleich mitbehandelt und gleichzeitig der vorhandene Zahnstein entfernt.
Nach dem Eingriff sollte Anela zwei Tage weiches Futter bekommen. Weitere Medikamente für zu Hause waren laut Behandlungsbericht nicht notwendig.
Inzwischen sind rund sechs Wochen vergangen und bisher sieht alles sehr gut aus.
Trotzdem bleibt der Eckzahn für mich künftig eine Schwachstelle, die ich besonders im Auge behalten werde.
NACHER: Schön versiegelt - tolle Arbeit der Zahnärztin
Braucht Anela später noch eine Metallkrone?
Da Anela Rettungshundearbeit und Sport macht und entsprechend aktiv ist, hat die Zahnärztin mit mir auch die Möglichkeit einer Metallkrone besprochen. Dass diese Option aufgrund von Anelas Einsatz im Rettungsdienst thematisiert wurde, ist ebenfalls im Behandlungsbericht dokumentiert. Im Moment habe ich mich dagegen entschieden.

Ich möchte den Zahn zunächst etwa sechs Monate beobachten und sehen, wie er sich entwickelt. Natürlich werde ich dabei besonders auf Veränderungen achten. Sollte sich der Zahn grau oder dunkel verfärben, kann dies darauf hindeuten, dass die Zahnpulpa geschädigt oder nicht mehr vital ist. In diesem Fall würde ich ihn umgehend von einer Tierzahnärztin kontrollieren lassen.
Danach können wir immer noch mit der Zahnspezialistin entscheiden, ob eine Krone als zusätzlicher Schutz für Anela sinnvoll ist.
Was hat die Zahnbehandlung gekostet?
Vielleicht ist auch das für andere Hundehalter interessant, deshalb möchte ich die Kosten nicht verschweigen. Die gesamte Behandlung kostete uns rund 1.160 Euro, die wir selbst bezahlen mussten. Davon entfielen rund 250 Euro auf die professionelle Zahnreinigung. Das ist natürlich eine Menge Geld.
Aber wenn ich das Ergebnis sehe, bin ich sehr froh, dass wir diesen Weg gegangen sind. Für mich zählt vor allem: Wir konnten Anelas Eckzahn erhalten.
Unsere OP-Versicherung hätte zwar eine notwendige Wurzelkanalbehandlung oder die Extraktion des Zahns übernommen, die tatsächlich notwendige Versiegelung und Zahnreinigung waren jedoch nicht eingeschlossen.
Das war für mich durchaus ein kleiner Denkanstoß: Reicht eine reine OP-Versicherung wirklich aus oder wäre eine vollständige Tierkrankenversicherung langfristig die bessere Wahl? Eine Frage, die wahrscheinlich jeder für sich und seinen Hund beantworten muss. Ich würde heute jedenfalls bei den Versicherungsbedingungen besonders genau auf den Bereich Zahnbehandlungen und Zahnerhalt schauen.
Und damit kommen wir zurück zur Zahngesundheit
Nach dieser Geschichte habe ich mich deutlich intensiver mit Zahngesundheit und Zahnpflege beim Hund beschäftigt. Denn der Zahnunfall selbst lässt sich nicht rückgängig machen. Aber beim Thema Zahnstein und Zahnhygiene können wir jeden Tag etwas tun.
Plaque bildet sich innerhalb kurzer Zeit auf den Zähnen und kann sich bei fortschreitender Mineralisierung zu Zahnstein entwickeln. Regelmäßiges tägliches Putzen oder Abwischen der Zähne gehört zu den effektivsten Möglichkeiten, Plaque zu entfernen, bevor daraus Zahnstein entsteht.
Deshalb gibt es bei uns jetzt keine Ausreden mehr:
Zähneputzen steht ab sofort täglich auf dem Programm.
Das hat für mich noch einen zweiten Vorteil. Beim täglichen Putzen schaue ich automatisch genauer in Anelas Maul.
Ich achte dabei auf:
neuen Zahnbelag und Zahnstein
Veränderungen am Zahnfleisch
auffälligen Mundgeruch
beschädigte oder abgesplitterte Zähne
Veränderungen an ihrem behandelten Eckzahn
Veränderungen beim Kauen oder Fressen
Auch bei Kauartikeln bin ich inzwischen vorsichtiger. Sehr harte Kauobjekte können zu Zahnfrakturen führen. Unter anderem wird vor Knochen, Geweihen, Hufen, Eiswürfeln oder sehr harten Nylon-Kauartikeln gewarnt.
Tipp bei Zahnpflegeprodukten: auf das VOHC-Siegel achten
Wer nach Dentalfutter, Kausnacks oder anderen Zahnpflegeprodukten sucht, steht schnell vor einer riesigen Auswahl.
Eine Orientierung kann das VOHC-Siegel des Veterinary Oral Health Council bieten. Diese Seite hat mir mein Tierarzt ans Herz gelegt.
Das VOHC führt Produkte, die für einen bestimmten Anspruch hinsichtlich der Reduktion von Plaque, Zahnstein oder beidem akzeptiert wurden. Die aktuelle Liste umfasst beispielsweise Dentalfutter, Kauprodukte, Zahnpasta sowie Zahnbürsten und Wipes. Entscheidend ist deshalb, beim jeweiligen Produkt darauf zu achten, wofür das VOHC-Siegel vergeben wurde. [vohc.org]
Ich finde diese Orientierung hilfreich, denn nur weil auf einer Verpackung „Dental“, „Zahnpflege“ oder „gegen Zahnstein“ steht, sagt das allein noch nicht viel über die Wirksamkeit aus.
Mein Fazit: Lieber einmal zu früh nachschauen lassen
Was bei Anela mit einem kleinen abgesplitterten Stück am Eckzahn begann, wurde für uns zu einem ziemlich großen Thema.
Und ich habe daraus zwei Dinge mitgenommen.
Ein abgebrochener Zahn sollte beim Hund nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Besonders wenn man den Zahn erhalten möchte, würde ich nicht wochenlang abwarten, wenn noch unklar ist, wie tief die Verletzung reicht.
Und zweitens:
Zahngesundheit beginnt nicht erst, wenn bereits dicker Zahnstein vorhanden ist. Sie beginnt zu Hause.
Ich bin sehr froh, dass ich damals keine Ruhe gegeben, weitergesucht und schließlich die richtige Spezialistin für Anela gefunden habe.
Ihr Eckzahn ist noch da. Er ist versiegelt. Die Zähne sind professionell gereinigt. Und bisher sieht alles sehr gut aus.
Und einen positiven Nebeneffekt hatte die ganze Geschichte definitiv:
Bei uns gibt es jetzt einen neuen festen Programmpunkt.
Zahnbürste raus, Anela! 🪥🐾

Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt meine persönliche Erfahrung mit Anela und ersetzt keine tierärztliche oder tierzahnärztliche Untersuchung. Bei einem abgebrochenen oder verfärbten Zahn sowie anderen Auffälligkeiten im Maul sollte individuell tierärztlich abgeklärt werden, welche Behandlung erforderlich ist.




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