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The Dog-Show: "Das bisschen im Kreis laufen...

  • Autorenbild: Marijela Vujic
    Marijela Vujic
  • 19. März
  • 6 Min. Lesezeit

Bonitas (Bonnie’s) erster Ring – Richterbericht, Learnings & der Weg zum Showhund


Bonnie’s erste Hundeausstellung war mehr als nur „im Kreis laufen“. Sie hat gezeigt, was im Ring wirklich zählt, was ein Richterbericht aussagt – und wie Training, Routine und echtes Teamwork einen Showhund formen können.



Vor Kurzem haben wir in unserem Verein für Weiße Schweizer Schäferhunde über unsere nächste Ausstellung gesprochen. Dabei fiel tatsächlich der Satz: „Das ist doch nur ein bisschen im Kreis laufen.“

Wenn man diesen Satz noch nie gehört hat, kann man vermutlich davon ausgehen, dass derjenige noch nie mit einem Hund auf einer Ausstellung war. Natürlich mag es Naturtalente geben – Menschen und Hunde, bei denen beim ersten Lauf scheinbar alles passt.

Wir gehören definitiv nicht dazu. Wir sind kein Team, das beim ersten Lauf locker auf Platz 1 landet – und schon gar nicht dauerhaft. Und ehrlich gesagt: Die meisten, die ich kenne und die heute sehr, sehr gut sind, investieren fast täglich Arbeit in ihre Hunde. Natürlich entsprechen die Hunde in der Zucht grundsätzlich dem Rassestandard – aber Ausstellung ist eben mehr als „nur korrekt gebaut sein“.

Und genau deshalb ist dieses angebliche „bisschen im Kreis laufen“ eines der meist unterschätzten Dinge in der Hundewelt.


Bonitas (Bonnie’s) erste Ausstellung war für uns kein Event und kein Häkchen auf einer To-do-Liste. Sie war für sie ein Anfang. Ein Einstieg in eine Welt, die sehr viel strukturierter – und auch komplexer – ist, als viele denken.

Denn Hundeausstellungen sind nicht einfach Show. Sie sind ein klar geregeltes System, in dem Hunde nach Standard beurteilt werden und das – im Idealfall – den Zuchtstand sichtbar macht und Entwicklung aufzeigt. Genau deshalb gibt es feste Abläufe, Pflichten, Bewertungen und am Ende einen Richterbericht, der nicht schmeicheln soll, sondern beobachten und einordnen soll.

 

Ringluft ist anders als Trainingsluft

Im Ring ist alles anders. Da ist dieser Mix aus Vorfreude und Nervosität – und gleichzeitig merkt man sofort: Das ist nicht Training. Der Boden. Die Geräusche. Die Nähe anderer Hunde. Menschen, die sehr genau hinschauen. Ein Richter, der jede Bewegung beurteilt.


Und mittendrin Bonnie: jung, freundlich, temperamentvoll – und absolut aufmerksam für alles, was um sie herum passiert.

Da wird einem schnell klar: Im Ring zeigt sich nicht, was man einmal sauber geübt hat. Im Ring zeigt sich, was unter Ablenkung funktioniert. Was wirklich sitzt. Und was eben noch nicht.

Im Ring führt man keinen Hund „vor“. Man führt ein Team durch eine anspruchsvolle Situation. Und da kann einiges Schief gehen:



Der Richterbericht: kein Urteil – sondern eine Landkarte

Der erste Richterbericht war für uns einer der wertvollsten Teile dieses Tages. Nicht nur, weil wir Bestätigung gesucht hätten – sondern weil ein solcher Bericht etwas kann, was man selbst im Moment oft nicht schafft: Er trennt Gefühl von Beobachtung.

Und genau diese Klarheit ist Gold wert, wenn man wirklich lernen will.

Bonnie wurde als „8 Monate alte Hündin, in korrekten Proportionen stehend“ beschrieben. Der Kopf passe zum Körper, der Ausdruck sei feminin. Der Fang gehe ohne Unterbrechung in den Oberkopf über – eine Formulierung, die ich besonders schätze, weil sie zeigt, wie genau hingeschaut wurde. Dazu dunkles Pigment, dunkelbraune Augen, mandelförmig eingesetzt.

Auch die weiteren Details sprechen für sich: aufmerksam getragene, hoch angesetzte Ohren, ein mittelkräftiger Hals, ein bereits gut fester Rücken, eine sanft abfallende Kruppe, eine lange Rute und korrekte Winkelungen. Selbst der Stand wurde beschrieben: senkrecht und parallel.

Viele kleine Puzzleteile – und zusammen ergeben sie etwas sehr Beruhigendes: Die Basis stimmt.

Gerade bei einer so jungen Hündin ist das nicht selbstverständlich. Und ja, ich gebe zu: Genau dieser Teil hat mich innerlich kurz stolz gemacht.


Aber der Bericht wäre kein guter Bericht, wenn er nur loben würde. Und dann kam der Satz, der vieles auf den Punkt bringt: Der Bewegungsablauf könnte schon korrekt aussehen, wenn der Hundeführer das „Springen ins Feld“ unterdrücken würde.


Ein Satz – und dennoch trifft er unglaublich viel. Denn genau hier liegt einer der häufigsten Knackpunkte: Nicht selten liegt es nicht am Hund, sondern am Zusammenspiel. Am Tempo. An Spannung. An Nervosität. An diesem unbewussten Ziehen oder Pushen, das man im Eifer des Gefechts selbst kaum bemerkt.


Besonders treffend fand ich auch die Beschreibung von Bonnie als „freundlich, aber noch sehr verspielt – mit viel Temperament“. Ein Temperament, das im Ring unter Kontrolle gebracht werden sollte.

Für uns ist das kein Tadel. Das ist eine Richtung. Ein Wegweiser.


Nach Mara und Anela wissen wir sehr genau, worauf wir uns einlassen – und dass Training essenziell ist. Wir springen nur manchmal sehr gerne ins kalte Wasser und schauen, was passiert. So wie bei der Begleithundeprüfung (Die FCI-Begleithundeprüfung – Training mit Spaß und Teamgeist). Oder jetzt eben bei der Ausstellung mit Bonnie. Auch das ist für uns eine Form von Training – und eine ziemlich gute Übung in Stressresistenz.


Am Ende des Berichts wird noch etwas erwähnt, das viele unterschätzen, im Ring aber sehr wohl sichtbar ist: das gepflegte Haarkleid. Auch das ist Teil von Respekt – gegenüber dem Hund, dem Richter und dem gesamten Rahmen.

Dieser Richterbericht hat mir keine Fehlerliste geliefert. Er hat mir eine Richtung gegeben.

(mehr zu dem gepflegten Haarkleid gibts hier: Fellpflege: "Warum Weiß nicht einfach Weiß ist“) 


Warum es eben nicht nur „im Kreis laufen“ ist

Von außen wirkt es leicht. Hund läuft, Mensch läuft, einmal Zähne zeigen, einmal stehen – fertig. Wer jedoch selbst im Ring war, merkt sehr schnell: Es ist eine Mischung aus Körperarbeit, mentaler Stabilität und Teamführung.

Denn im Ring zählen nicht nur Standbilder. Es zählen Übergänge. Haltung. Takt. Raumgriff. Präsenz. Gleichzeitig muss der Hund anfassbar bleiben, Zähne zeigen lassen und sich beurteilen lassen – ruhig und ohne Ausweichen. Gelingt das nicht, kann es sogar passieren, dass ein Hund nicht bewertet werden kann.

An diesem Tag liefen auch viele Dinge gut. Bonnie stand zum Beispiel wirklich wunderschön:



In unserem Video aber haben wir uns bewusst entschieden, genau die Situationen zusammenzuschneiden, die zeigen, was alles schiefgehen kann.


Zum Beispiel, wenn plötzlich die Smartwatch Alarm schlägt, weil der Puls vom Laufen plötzlich zu hoch ist. Wenn man bei kleinen Fehlern nervös wird. Wenn man stolpert – und die Uhr dann auch noch versucht, einen Notruf auszulösen.


Im Rückblick ist das alles ziemlich lustig. Bonnie hatte ihren Spaß und keine Sorge, es geht immer alles nach tierschutzkonformen Regeln zu. Und dass man den Richter nicht anspringt, wird sie auch noch lernen. In der Jüngstenklasse ist das alles noch ok. Aber so kann es natürlich nicht weiter gehen.

 

Was wir ab jetzt üben – und warum „mehr“ nicht immer „besser“ ist

Showtraining bedeutet nicht, den Hund „schön hinzustellen“. Showtraining bedeutet, den Hund so vorzubereiten, dass er sich in fremder Umgebung zeigen kann – körperlich und mental.

Für uns sind das aktuell vier Baustellen, die eigentlich eher Säulen sind:

-Stand: kurz, sauber, ruhig. Keine minutenlangen Halteübungen, sondern kurze Wiederholungen mit Gefühl und Ruhe. Das macht sie ja bereits sehr gut.

-Gebisskontrolle: neutral und selbstverständlich. Nicht festhalten, nicht „irgendwie durch“. Sondern so aufbauen, dass es für den Hund normal ist.

-Gangwerk: das richtige Tempo für den Hund. Nicht schneller = besser. Sondern rhythmisch, rassetypisch, stabil – ohne Springen.

-Regulation: das große Thema bei viel Temperament. Nicht unterdrücken. Nicht klein machen. Sondern ansprechbar bleiben, Spannung abfließen lassen und wieder in den Fokus finden. Der Hund soll ja weiterhin lebendig bleiben.


Denn genau das hat mir der Richterbericht gezeigt: Bonnie kann es – wenn wir sie so führen, dass sie es zeigen kann.

 

Der Weg zum Showhund ist kein Wochenende

Die ehrliche Wahrheit, die ich gerne mitgeben würde: Ein richtig guter Showhund entsteht nicht in zwei Trainingswochen. Er entsteht in Monaten – manchmal sogar in Jahren. Den auch der Hundeführer (DogHandler) muss sich ebenfalls entwicklen, bzw. weiter entwickeln.


Neben Training braucht es eben Entwicklung auf beiden Seiten und körperliche Reife, Muskulatur, Koordination, mentale Stabilität und vor allem Routine. Ein Hund lernt Ring nicht nur über Übungen – er lernt Ring über Erfahrung.


Bonnie’s erste Ausstellung war deshalb kein Ziel. Sie war der erste Kilometer auf einem längeren Weg.


 

Und was bleibt von diesem Tag?

Vielleicht ist genau das der schönste Teil an Ausstellungen: Nicht die Schleife. Nicht der Platz.

Sondern die Erkenntnis, dass man als Team wächst – Schritt für Schritt. Runde für Runde.

 
 
 

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